• Carlo Zappella

    Bilder im Schwebezustand

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    Portfolios
    von Klaus Speidel,

    Für Level of Detail (seit 2023) baut Carlo Zappella Papierwelten, manchmal im Studio, manchmal mit dem 3D-Renderingprogramm Blender: Das analog entstandene Modell rendert oder fotografiert er, produziert es danach aus und rahmt schließlich das entstandene Ergebnis. Ohne Bildtitel und Produktionsinfos bleibt der Status seiner Bilder im Schwebezustand, und es ist schwer zu erkennen, ob eine suburbane Landschaft im Studio gebaut oder gerendert wurde. Dadurch, dass Zappella manchmal fotografiert, immer bastelt und oft rendert, bleiben Zweifel bestehen und die (Ent-)Täuschung möglich. Was seine Bilder auch gegenüber Arbeiten ähnlicher (Post-)Fotograf:innen wie Thomas Demand oder Alex Prager besonders macht, ist die dreifache Schichtung und Möglichkeit: Realität, Modellbau, Rendering treten immer wieder in neue Beziehungen. Elemente werden real erprobt, fotografiert und dann fotorealistisch gerendert oder andersherum. Seine gerenderten Szenen wirken dabei real, weil sie fehlerhaft scheinen: Eine Klemmzwinge aus Kunststoff ist liegen geblieben, man sieht die Holzpalette, auf der das Modell steht, der Karton ist unsauber bearbeitet, oben kleben Post-its, oder ein Scheinwerfer ragt ins Bild. Zappella verwendet Blender genauso virtuos wie Referenzen aus der modernen und zeitgenössischen Kunst. So werden seine Bilder für Expert:innen zu Suchbildern, in denen immer neue (Bedeutungs-)Schichten auftauchen: Eine verrostete Suppendose von Campbell’s verweist auf Warhol, ein Topf mit Farbe der Marke albrecht auf die Geschichte der Malerei. Mehr als an Dürer erinnern seine Arbeiten aber noch an René Magritte und dessen Spiel mit inkompatiblen Realitäten und Bildinterpretationen – sehen wir Tag oder Nacht, Fläche oder Raum …?

    Während Level of Detail vor allem an Virtual Reality und das Metaverse denken lässt, ästhetisiert Memories of Devices (2023–2024) die Struktur von Transistoren oder Regelkreisen, die die materielle Infrastruktur der digitalen Welt bilden, und Cableporn (seit 2025) zeigt quietschbunte, elegant gebogene und stylisch reflektierende Stromkabel in Kabeldosen – auch sie „nach der Realität“ gerendert. Dass sich das „so niemals verkabeln lässt“, wie Elektriker:innen manchmal auf Social Media anmerken, ist gleichgültig. Denn es geht nicht um das Reale, sondern darum, wie unsere ästhetisierte Welt es am liebsten darstellt und ob diese Unterschiede überhaupt noch zählen.

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  • INFO
  • Carlo Zappella

    Carlo Zappella, geb. 1995 in Wien, studierte Künstlerische Fotografie an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Sommer 2025 Diplom bei Gabriele Rothemann. Im Fokus seines Interesses steht der künstlerische Prozess an sich sowie die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Wirklichkeit. Seine Arbeiten vereinen unterschiedliche Medien wie Fotografie, 3D-Rendering, Skulptur oder Video und sollen zur Reflexion über das Selbst im größeren Kontext anregen.