• Kim da Motta

    Auf Schritt und Tritt erkennbar

  • placeholder image
    placeholder image
    0:00/0:00
    Portfolios
    von Helena Lang,

    Den gravierenden Einfluss, den patriarchale Gesellschaftsstrukturen auf unsere Körpersprache ausüben, machten spätestens Marianne Wex’ Fotoserie „Weibliche“ und „männliche“ Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse (1977) sowie Iris Marion Youngs Essay Throwing Like a Girl (1980) zum Gegenstand einer kritischen Diskussion. Mit der installativen Videoarbeit How would I walk, had I never seen a woman walk? zeigt Kim da Motta 45 Jahre später, dass Bewegungsmuster – trotz einer sich um sichtbare Diversität bemühenden Gesellschaft – noch immer zur Einordnung in ein binäres Geschlechtersystem dienen. Zuletzt im Mai dieses Jahres im Aargauer Kunsthaus ausgestellt, rückt da Mottas Abschlussarbeit an der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2022 die Gangartanalyse ins Zentrum – ein Verfahren, das im Kontext videobasierter Überwachung im öffentlichen Raum zur Ermittlung biometrischer Identifikationsmerkmale genutzt wird. Dabei erfolgt anhand der Gehweise eine automatische Geschlechtserkennung, die Personen als männlich oder weiblich klassifiziert. Erfahrbar wird dieser invasive Überwachungsmechanismus durch das vor der Videoprojektion positionierte Laufband: Erst durch dessen Aktivierung beginnt die Wiedergabe des Videos, die simultan eine Videoaufzeichnung der Betrachter:innen auslöst und damit wiederum neue Datensätze erzeugt.

    Die Arbeit macht deutlich, wie der vermehrte Einfluss von künstlicher Intelligenz und Digitalität auf unseren Alltag in zunehmendem Maße als selbstverständlich hingenommen wird. Dabei kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Entwicklung der Technologie mit unseren Normen und Werten korrespondiert. Denn jenseits aller Kritik sind wir es, die Menschen, die der künstlichen Intelligenz gelehrt haben, die Fluidität gesellschaftlicher Identitäten zu ignorieren.

    placeholder image
    image
    image
    image
    image
    image
    image
    image
    placeholder image
    image
    placeholder image
    image
  • INFO
  • Kim da Motta

    Kim da Motta, geb. 2000 in Luzern, absolviert derzeit das Masterprogramm Art Teaching and Critical Image Practices an der Hochschule Luzern. Ihre künstlerische Praxis befasst sich mit dem menschlichen Körper und damit verbundenen Fragen nach Identität und Geschlecht. In jüngeren Arbeiten untersucht sie zudem den Einfluss von Digitalität und künstlicher Intelligenz auf gesellschaftliche Strukturen und Dynamiken. Sie lebt und arbeitet in Luzern.