• Patrick Lohse

    Einblicke in ein geschlossenes System

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    Portfolios
    von Christin Müller,

    Weil ein Freund für mehrere Jahre inhaftiert wurde, begann Patrick Lohse, sich mit dem Thema Strafvollzug zu beschäftigen. Von den räumlichen und materiellen Bedingungen einer Gefangenschaft ist aus Sicherheitsgründen nur wenig bekannt. Um trotzdem visuelle Eindrücke zu ermöglichen, bedient sich Patrick Lohse der Mittel der dokumentarischen Reinszenierung: In 3 × 4 zeigt er, wie spezifische Raumgestaltungen gezielt die Emotionen und sensorischen Empfindungen der Gefangenen beeinflussen. Für die Bilder dieser Serie baute Lohse die Hafträume anhand von Augenzeug:innenberichten, Informationen aus einem Beratungsgespräch mit einem Raumausstatter sowie Katalogbildern eines Herstellers nach. In Cool-Down-Pink (2018) ist eine Zelle zu sehen, die, gestrichen im titelgebenden Farbton, blutdrucksenkend wirken soll. Deprivation (2019) verweist auf einen maximal reizarmen Raum, der Halluzinationen und Gleichgewichtsstörungen erzeugt, was als Foltermethode eigentlich verboten ist. Bei Time-Out (2020) entsteht durch die Auskleidung aller Wände mit beigen Matten ein Ort zur Regulierung von Aggressionszuständen.

    In zwei weiteren Serien widmet sich Patrick Lohse den Nutzgegenständen, in deren Gestaltung die strafrechtliche Kontrollausübung sichtbar wird. Loop (2023) zeigt das Hantieren mit gelben Einweghandschellen, die hygienischer und leichter als die herkömmlichen sind, deren Handhabe aber in Schulungen erlernt werden muss. In Prison Safe (2024) portraitiert Lohse einen Besen aus dem Sortiment der speziell für den Strafvollzug produzierten Gegenstände, die der Zweckentfremdung in Haftanstalten entgegenwirken sollen. Er ist aus weichem Gummi gefertigt und hat keine Schrauben, damit er möglichst nicht als Waffe verwendet werden kann.

    Weder die großformatigen Bilder der maßstabsgetreuen Kulissen noch die für die fotografischen Aufnahmen isolierten Gegenstände lassen uns nachfühlen, was eine Gefangenschaft wirklich bedeutet. Lohses Motive wirken höchst künstlich, auch weil die Oberflächen keinerlei Nutzungsspuren aufweisen. Durch diese starke Abstraktion erscheint das Fotografierte auf produktive Weise modellhaft und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Infrastruktur des Strafvollzugs und somit auf ein Thema, das in der Öffentlichkeit gern ausgeblendet wird.

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  • INFO
  • Patrick Lohse

    Patrick Lohse hat an der Folkwang Universität der Künste in Essen Photography Studies and Practice im Bachelor und Master studiert und 2025 mit der Arbeit balance über die sich verändernde Büroarbeit in den 1990er Jahren abgeschlossen.